Klage wegen Spielsucht nach Medikamenteneinnahme abgewiesen

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Ein kanadisches Gericht in British Columbia hat die Klage einer Frau abgewiesen, die behauptete, das Antipsychotikum Abilify habe zwanghaftes Glücksspiel und exzessives Shopping bei ihr ausgelöst. Die Klägerin, Jennifer Purchas, forderte 1,2 Millionen kanadische Dollar Schadenersatz – ohne Erfolg.

Die Entscheidung des Gerichts zeigt erneut, wie schwierig es ist, einen direkten Kausalzusammenhang zwischen Medikamenten und problematischem Spielverhalten juristisch nachzuweisen. Trotz internationaler Warnungen zu Abilify konnte die Klägerin laut Richter Michael Stephens nicht belegen, dass ihre Ärztin fahrlässig gehandelt habe oder das Medikament allein für ihr Verhalten verantwortlich sei.

Zwanghaftes Verhalten nach Abilify? Der Streitpunkt

Abilify (Wirkstoff Aripiprazol) ist ein weit verbreitetes Mittel zur Behandlung von Depressionen, bipolaren Störungen und Schizophrenie. Bereits seit mehreren Jahren warnen Gesundheitsbehörden weltweit – darunter Health Canada und die US-amerikanische FDA – vor möglichen Nebenwirkungen, darunter Kontrollverlust bei Impulsen. Genannt werden unter anderem zwanghaftes Glücksspiel, gesteigerter Sexualtrieb und unkontrolliertes Shopping.

Jennifer Purchas hatte das Medikament etwa zwei Monate lang Ende 2019 eingenommen. Laut ihrer Aussage führte dies zu übermäßigem Konsumverhalten und einem Kontrollverlust beim Glücksspiel. Sie warf ihrer Ärztin vor, nicht ausreichend über diese Risiken aufgeklärt worden zu sein.

Doch das Gericht bewertete den Fall anders. Es wurde festgestellt, dass Health Canada bereits seit 2015 offizielle Warnungen zu Abilify herausgegeben hatte. Zudem hatte die Klägerin schon vor der Behandlung gelegentlich Glücksspiel betrieben. Der Richter kam zu dem Schluss, dass weder die Ärztin grob fahrlässig gehandelt noch das Medikament als alleinige Ursache angesehen werden könne.

Abilify in der Kritik – nicht zum ersten Mal

Der Fall reiht sich ein in eine lange Liste internationaler Klagen gegen die Hersteller von Abilify. In den USA wurden tausende Verfahren im Rahmen eines sogenannten Sammelverfahrens (MDL) verhandelt. Viele Betroffene berichteten von existenzbedrohenden Verlusten durch zwanghaftes Glücksspiel – ausgelöst durch das Medikament.

Die pharmazeutischen Hersteller, darunter Bristol-Myers Squibb und Otsuka, zahlten in der Vergangenheit hohe Vergleichssummen, ohne ein Schuldeingeständnis. Eine Einigung aus dem Jahr 2019 belief sich Schätzungen zufolge auf mehrere hundert Millionen Dollar. In Kanada scheint die juristische Lage hingegen strikter: Dort müssen Kläger konkret nachweisen, dass das Medikament der alleinige Auslöser war – ein hoher Beweisstandard.

Was der Fall für Spieler bedeutet

Gerade für Personen mit psychischen Erkrankungen oder instabilem Spielverhalten ist dieser Fall ein Warnsignal. Wer Medikamente mit dopaminerger Wirkung einnimmt, sollte sich frühzeitig mit behandelnden Fachärzten über potenzielle Nebenwirkungen austauschen. Glücksspielsucht kann viele Ursachen haben – Medikamente sind nur ein möglicher Faktor.

Auch wenn der Fall vor Gericht gescheitert ist, bleibt das Thema hochrelevant. Zwanghaftes Spielverhalten, insbesondere in digitalen Angeboten, rückt zunehmend in den Fokus von Medizin und Regulierung. Aufklärung, Vorsorge und ein bewusster Umgang mit Risikoentscheidungen gewinnen dabei weiter an Bedeutung – sowohl bei Medikamenteneinnahme als auch beim Zugang zu Spielangeboten.

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