Wer während der Stanley-Cup-Finalspiele der NHL in den USA den Fernseher eingeschaltet hat, kam kaum um sie herum: Glücksspielwerbung. Laut einer aktuellen Studie der University of Bristol wurden Zuschauer im Schnitt alle 17 Sekunden mit einem Glücksspielhinweis konfrontiert – das entspricht etwa 3,5 Werbebotschaften pro Minute. In Spitzenmomenten waren es sogar 4,7 pro Minute, also nahezu ein ununterbrochener Strom von Logos, Bannern und Sponsorenhinweisen.
Dabei handelt es sich nicht nur um klassische Werbespots. Der Großteil der Werbebotschaften war in Form von Logoplatzierungen, Bandenwerbung, Trikotaufdrucken oder elektronischen Einblendungen zu sehen. Auffällig ist, dass diese Formen visuell besonders stark wirken – und sich kaum vermeiden lassen.
Vergleich: NBA deutlich zurückhaltender
Zum Vergleich: In den NBA-Finalspielen war Glücksspiel deutlich seltener präsent. Dort verzeichneten die Forscher lediglich 0,26 Glücksspielwerbungen pro Minute. Der Kontrast zwischen den Ligen ist auffällig – nicht nur in der Häufigkeit, sondern auch in der Art der Platzierungen. Während die NHL stark auf integrierte Werbung setzt, bleibt die NBA bislang vorsichtiger.
Insgesamt wurden in der Analyse über 6.200 Glücksspielwerbeinhalte in 13 Sportübertragungen registriert – 94 Prozent davon bei NHL-Spielen. Die Studie zeigt damit klar, wo die höchsten Konzentrationen liegen.
Milliardenmarkt Werbung – trotz rückläufiger Zahlen
Seit der Legalisierung von Sportwetten in vielen US-Bundesstaaten ab 2018 ist die Werbeindustrie rund ums Wetten regelrecht explodiert. Laut Angaben der American Gaming Association flossen allein 2023 über 470 Millionen US-Dollar in TV-Werbung für Sportwetten. Auch wenn dieser Wert rund 11 Prozent unter dem Vorjahr liegt, bleibt der Markt ein Schwergewicht – vor allem im Vergleich mit europäischen Verhältnissen.
Trotz dieser Dimensionen liegt der Anteil von Glücksspiel an der Gesamtwerbung im US-TV bei unter ein Prozent. Zum Vergleich: Werbespots für pharmazeutische Produkte machten 2023 fast 30-mal so viele Ausstrahlungen aus. Der Unterschied liegt jedoch in der Platzierung: Während Medikamente meist in klar abgegrenzten Werbeblöcken auftauchen, erscheint Glücksspielwerbung oft als visueller Dauerreiz direkt im Spielgeschehen.
Diskussion um Regulierung nimmt Fahrt auf
Die mediale Dauerpräsenz von Wettanbietern sorgt inzwischen auch in den USA für Kritik. Verbraucherschützer warnen vor versteckter Werbung, die insbesondere auf jüngere Zielgruppen wirken könnte. Der demokratische Abgeordnete Paul Tonko brachte deshalb den Safe Bet Act ein – ein Gesetzesvorschlag, der Werbezeiten begrenzen und gewisse Formate verbieten soll.
Auch in der NFL reagiert man vorsichtiger: Beim Super Bowl durften zuletzt nur drei Sportwetten-Werbungen gezeigt werden – eine pro Viertel. Dieser freiwillige Schritt zeigt, dass auch große Ligen beginnen, über Eigenregulierung nachzudenken, bevor der Gesetzgeber eingreift.
Fazit: USA stehen vor Richtungsentscheidung
Die aktuelle Analyse der Glücksspielwerbung in US-Sportübertragungen zeigt eine klare Entwicklung: Die Zahl der visuellen Impulse nimmt zu, klassische Werbespots verlieren an Bedeutung. Besonders in der NHL scheinen Logos, Banner und Sponsoring-Deals zum festen Bestandteil des Spiels geworden zu sein.
Während manche Ligen wie die NBA noch zurückhaltend agieren, wirken andere bereits wie Werbeträger für Sportwettenanbieter. Ob sich dieser Trend durch gesetzliche Regulierung bald abschwächt oder durch wirtschaftliche Interessen weiter verstärkt, bleibt offen. Klar ist aber: Die Diskussion um die Rolle von Glücksspiel im Profisport hat auch international an Brisanz gewonnen.






