Die spanische Regierung plant eine umfassende Verschärfung der Vorschriften für Online Glücksspiel. Künftig sollen verpflichtende Warnhinweise eingeführt werden, die sich optisch und inhaltlich an Tabakwerbung orientieren. Damit will das Ministerium für Verbraucherschutz auf den gestiegenen Umsatz und die wachsende Zahl an Spielern reagieren – insbesondere im Bereich digitaler Angebote.
Die Maßnahme ist Teil einer Erweiterung des bestehenden Werbedecrets (Real Decreto 958/2020) und soll noch 2025 umgesetzt werden. Neben Warntexten auf Webseiten und in Apps sind auch verbindliche Einsatzlimits und der verstärkte Einsatz von KI-Systemen zur Früherkennung riskanten Spielverhaltens vorgesehen.
Deutliche Botschaften statt weicher Hinweise
Bislang mussten Glücksspielanbieter lediglich allgemeine Hinweise wie „Spiele verantwortungsvoll“ einblenden. Künftig sollen deutlichere Aussagen vorgeschrieben sein. Beispiele, die im Gesetzesentwurf genannt werden:
- „Glücksspielsucht ist ein Risiko des Glücksspiels.“
- „Die Verlustwahrscheinlichkeit beträgt 75 %.“
- „Die Verluste aller Spieler sind viermal höher als ihre Gewinne.“
Diese Hinweise müssen auf Anmeldeseiten, Werbebannern, in mobilen Apps und bei digitalen Anzeigen gut sichtbar erscheinen. Ziel ist es, das Risikobewusstsein der Spieler zu erhöhen und problematischem Verhalten frühzeitig entgegenzuwirken.
Einsatzlimits und strengere Spielerkontrollen
Neben Warnhinweisen sieht der Entwurf auch neue Einsatzlimits vor: maximal 600 Euro täglich, 1.500 Euro wöchentlich und 3.000 Euro im Monat. Wer diese Limits anpassen will, muss drei Tage auf die Umsetzung warten – und kann Änderungen nur einmal pro Quartal vornehmen.
Außerdem sollen Anbieter künftig verpflichtend KI-gestützte Systeme einsetzen, um auffälliges Spielverhalten zu erkennen. Diese Tools analysieren unter anderem Einsatzhöhe, Spieltempo und Tageszeiten. Zeigt ein Nutzer risikobehaftete Muster, sollen Warnungen ausgesprochen oder Limits verschärft werden.
Die Glücksspielbehörde DGOJ (Dirección General de Ordenación del Juego) wird für die Kontrolle und Durchsetzung der Maßnahmen verantwortlich sein.
Industrie reagiert mit Kritik
Branchenverbände wie JDigital haben bereits Widerstand angekündigt. Sie kritisieren vor allem die Parallele zur Tabakwerbung als überzogen. Glücksspiel sei ein legales Unterhaltungsangebot, das nicht mit gesundheitsschädlichem Konsum gleichgesetzt werden dürfe.
Zudem befürchtet die Branche einen Rückgang der Nutzerzahlen sowie einen möglichen Abdrang in den Schwarzmarkt, sollte das legale Angebot zu stark reglementiert werden.
Ein europäischer Sonderweg?
Im europäischen Vergleich geht Spanien mit diesen Maßnahmen deutlich weiter als viele andere Länder. Zwar gibt es auch in Deutschland und den Niederlanden Ansätze für verstärkten Spielerschutz, doch Warnhinweise dieser Deutlichkeit sind bisher unüblich.
Für Spieler könnte sich dadurch das Nutzererlebnis deutlich verändern – sowohl optisch als auch funktional. Gleichzeitig zeigen erste Daten, dass der Glücksspielmarkt in Spanien zuletzt stark gewachsen ist. Die Regierung sieht sich deshalb in der Pflicht, regulierend einzugreifen.
Wie effektiv die neuen Maßnahmen sein werden, bleibt abzuwarten. Klar ist aber: Spanien setzt ein starkes Signal – und dürfte damit auch die Diskussion in anderen Ländern anstoßen.






