Europäische Ermittler haben einem illegalen Sportwetten-Syndikat (Link auf französisch) das Handwerk gelegt, das jahrelang Tennis-Turniere manipulierte. Wegen des Verdachts jahrelanger Manipulationen von rund 40 Tennisturnieren in Deutschland und mindestens sechs weiteren Ländern mit einem illegalen Profit von fast einer Million Euro setzten die Ermittler insgesamt 14 Personen in Frankreich, Bulgarien, Spanien und Rumänien fest. Die französische Staatsanwaltschaft in Marseille erhob bereits Anklage gegen fünf Verdächtige.
Wettmafia hat die Top-100-Spieler im Fokus
Wettmanipulation ist in keiner Sportart ein neues Phänomen. Diese Art von Betrug gibt es schon seit es Sportwetten und damit seit es Sport als solches gibt. Was in diesem Fall besonders ist, sind zum einen die mafiösen Strukturen und das Netzwerk an Top-Spielern, die involviert waren. Zwischen 2018 und 2024 sollen laut Ermittlungsbehörden gezielt Spieler aus den Top 100 des ATP-Rankings angeworben worden sein. Dass so viele Spieler hierbei eingestiegen sind und vor allem keiner die betrügerischen Maschen gemeldet hat, wirft einige Fragen auf und zeigt systematische Korruptionsprobleme im Tennis als Ganzes.
Das System an sich war gut durchdacht und vor allem auf Unauffälligkeit optimiert. Im Fokus der illegalen Wetten stand vor allem die dritte Liga. Auf diese werden zwar auch Wetten angeboten, allerdings findet sie in den Medien quasi überhaupt nicht statt. Somit flogen die Betrüger immer unter dem Radar und konnten lukrative Wetten für Spiele abschließen, deren Ausgang sie bereits kannten. Die Spieler, die sich auf die Manipulationen einließen, steckten oftmals in finanziellen Schwierigkeiten und bekamen pro Spiel zwischen 500 und 3.000 Euro.
Brüder mit Vorgeschichte in Haft genommen
Medienberichten zufolge gehören die Brüder Karen und Juri Khachatryan aus Bulgarien zu den Festgenommenen. Als ehemalige Tennisspieler waren sie den Sportbehörden bereits bekannt, da sie in der Vergangenheit wegen Spielmanipulation sanktioniert worden waren. Ihnen wird grenzüberschreitende Geldwäsche und Korruption im Sport vorgeworfen.
Seit vielen Jahren setzen sich die Gambling Commission und vergleichbare Regulierungsbehörden dafür ein, die Verbindung zwischen Sportwetten und organisiertem Verbrechen zu bekämpfen. Ein großes Problem: Die meisten Turniere unterhalb der Klasse werden nicht videoaufgezeichnet, was Manipulationen erleichtert.
Strukturelles Problem im Tennis
Der Fall verdeutlicht ein grundlegendes Problem im professionellen Tennis. Spieler, die nicht zur absoluten Weltspitze gehören, verdienen oft nur zwischen 5.000 und 15.000 Dollar bei Turniersiegen – und das ist weit weniger als die Bestechungsgelder, die dort angeboten werden. Die Ermittlungen gehen weiter, und es ist möglich, dass es weitere Festnahmen gibt.






