Singapur schlägt zurück – im wahrsten Sinne des Wortes. Wer künftig Online-Betrug begeht oder illegales Glücksspiel betreibt, muss mit Stockschlägen rechnen. Das Parlament hat die drastische Maßnahme diese Woche abgesegnet.
Die Zahlen sind alarmierend: Zwischen 2020 und Mitte 2025 gab es rund 190.000 gemeldete Betrugsfälle mit Verlusten von etwa 3,7 Milliarden Singapur-Dollar (2,8 Milliarden US-Dollar). Die Staatsministerin für Inneres, Sim Ann, bezeichnete die Zahlen als „erschütternd“. Betrugsfälle machen mittlerweile 60 Prozent aller gemeldeten Straftaten in Singapur aus.
Mindestens sechs Schläge
„Wer sich des Online-Betrugs schuldig macht, wird mit mindestens sechs Stockhieben bestraft“, kündigte Staatsministerin Sim Ann vor dem Parlament an. Die Höchststrafe liegt bei 24 Schlägen – eine Strafe, die in Singapur seit Jahrzehnten für verschiedene Vergehen angewandt wird.
Besonders hart trifft es sogenannte „Money Mules“ – Personen, die ihr Bankkonto zur Geldwäsche zur Verfügung stellen. Sie könnten nach Ermessen des Gerichts mit bis zu zwölf Stockhieben bestraft werden. Auch wer falsche SIM-Karten bereitstellt oder den Kontakt zu Opfern anbahnt, fällt unter die neue Regelung.
Illegales Glücksspiel im Visier
Die neue Strafmaßnahme gilt explizit auch für den Betrieb illegalen Online-Glücksspiels. Erst im vergangenen Monat half Meta zusammen mit dem FBI der singapurischen Polizei dabei, ein illegales Online-Sport- und Casino-Wettsystem zu zerschlagen, bei dem Opfer mehr als 175.000 Singapur-Dollar verloren.
Die Kriminalität operiert oft aus sogenannten „Scam-Factories“ in Myanmar oder Kambodscha. Dort werden Menschen unter Zwang festgehalten – Pässe konfisziert, zur Arbeit gezwungen. Sie müssen in Compounds versuchen, ahnungslose Opfer übers Internet abzuzocken.
Umstrittene Methode mit Tradition
Die Prügelstrafe – offiziell als „Caning“ bezeichnet – wird in Singapur bereits seit 1871 für Raub eingesetzt. Seit 1973 gilt sie auch für Drogendelikte und Piraterie. Die Strafe wird ausschließlich an männlichen Straftätern unter 50 Jahren vollzogen und zusätzlich zu Freiheitsstrafen verhängt.
International ist die Methode höchst umstritten. Menschenrechtsorganisationen kritisieren sie als unmenschlich und grausam. Die singapurische Regierung argumentiert hingegen mit der abschreckenden Wirkung.






