Die Regierung in Bulgarien erhöht die Steuern. Im Rahmen des Haushaltsplans für 2026 bis 2028 wird die Glücksspielsteuer voraussichtlich von 20 auf 25 Prozent angehoben. Alle Segmente sind betroffen – von Online-Casinos über Sportwetten bis zu Lotterien, Bingo und Keno. Sollte die Änderung am 1. Januar 2026 wie vorgesehen in Kraft treten, wird das Finanzministerium zusätzliche Steuereinnahmen von 37 Millionen Dollar pro Jahr erwarten.
Der Balanceakt zwischen Umsatz und Wachstum
Eine Erhöhung um fünf Prozent mag auf den ersten Blick gering erscheinen – doch sie könnte den entscheidenden Unterschied zwischen Wachstum und Stagnation ausmachen. Eine neue Untersuchung des Betting and Gaming Council beweist: Zwischen 2019 und 2024 verzeichneten Märkte mit einer Bruttospielertrag-Steuer von unter 25 Prozent ein jährliches Wachstum von 13 Prozent. Steuersätze über 25 Prozent führten zu einem Rückgang des Wachstums auf neun Prozent. Mit dieser Entscheidung positioniert sich Bulgarien bewusst an diese kritische Schwelle.
Die Glücksspielbranche reagiert mit Zurückhaltung. Der Verband der Gaming-Industrie in Bulgarien (AGIB) hatte schon in der Vergangenheit gewarnt, dass hohe Steuern das Risiko bergen, Investitionen abzuschrecken. Nach der letzten Reform Anfang 2024 sind die Ergebnisse tatsächlich gemischt: Die Casino-Steuereinnahmen stiegen um 41 Prozent, während die Einnahmen aus Lotterien und Wetten trotz höherer Umsätze um elf Prozent zurückgingen.
Der Online-Sektor bleibt stabil
Obwohl die Steuerlast steigt, zeigt der Online-Glücksspielmarkt in Bulgarien eine stabile Entwicklung. Die 24 lizenzierten Online-Betreiber konnten 2023 einen Anstieg des Bruttospielertrags von über 30 Prozent verbuchen. Mit einem Gesamtumsatz von 1,1 Milliarden Leva (etwa 561 Millionen Euro) machte das Online-Segment zwei Drittel des Umsatzes mit Casino-Spielen aus, während der Rest auf Sportwetten entfallte.
Im Vergleich: Während die Glücksspielsteuer für Online-Casinos in Deutschland bei 5,3 Prozent auf den Wettumsatz liegt, haben die Niederlande diese kürzlich auf enorme 37,8 Prozent erhöht. Bulgariens 25 Prozent liegen damit im europäischen Mittelfeld – allerdings mit einer steigenden Tendenz.
Abschöpfung: Ein europäischer Trend
Die geplante Erhöhung ist Teil eines europaweiten Trends. Sechs große europäische Märkte haben ihre Glücksspielsteuern für 2025 bereits erhöht und streben zusammen über 520 Millionen Euro an zusätzlichen Einnahmen an. Aber es funktioniert nicht immer: Die Erfahrungen aus den Niederlanden zeigen, dass höhere Steuern nicht automatisch zu höheren Einnahmen führen. Übermäßige Abgaben treiben Spieler in den unregulierten Schwarzmarkt – ein Risiko, das auch Bulgarien im Auge behalten sollte.
Interessant: Während der Rest Europas die Steuern erhöht, senkt Estland schrittweise die Remote-Gambling-Steuer von sechs auf vier Prozent – ein Experiment, das beweisen soll, dass niedrigere Steuern durch ein höheres Volumen mehr Einnahmen generieren können.






