Nach zwei brutal enttäuschenden Tagen hat Schach-Großmeister Ottomar Ladva bei der Brazilian Series of Poker seinen Turnaround geschafft. Der Este gewann das $20,000 One-Day Super High Roller nach 15 Stunden am Tisch und sicherte sich $321,000 – seine Antwort auf einen verschenkten 14:1-Chipvorsprung beim $30K-Event und einen Bubble-Exit beim $50K-Turnier nur Stunden zuvor.
Vom Drama zur Dominanz
Die Brazilian Series of Poker im WTC Sheraton in São Paulo entwickelt sich zur größten Poker-Serie in Lateinamerika. 58 Spieler traten beim One-Day Super High Roller an und generierten einen Preispool von $1,160,000. Dass Ladva überhaupt am Start war, grenzte an Selbstbestrafung. Erst hatte Martin Kabrhel ihm beim $30K-Event einen fast sicheren Sieg entrissen, dann scheiterte der 27-Jährige als Bubble Boy beim $50,000 Super High Roller. Statt sich eine Pause zu gönnen, registrierte er sich sofort für das nächste Turnier.
Ladva ist vierfacher estnischer Schachmeister und seit 2015 Großmeister, wechselte aber vor einigen Jahren hauptberuflich zum Poker. Seine Begründung damals: Im Schach bewegt sich das große Geld erst ab den Top-20 der Welt – ein Level, das für ihn unerreichbar schien. Beim Poker hat sich diese Entscheidung ausgezahlt: Allein beim EPT Barcelona 2024 gewann er €439,400.
Finaltisch-Spektakel bis zum Morgengrauen
Das Turnier endete erst gegen 6:30 Uhr morgens Ortszeit, nachdem die letzten neun Spieler zum Finaltisch angetreten waren. Fabiano Kovalski erwischte es als Bubble Boy, danach ging es Schlag auf Schlag. Ladva selbst eliminierte Ivan Luca mit Pocket Kings gegen Ace-Five und baute seinen Stack systematisch aus.
Im Heads-up traf Ladva auf den Brasilianer Rodrigo Selouan. Nach über 15 Stunden Poker einigten sich beide auf einen Deal – die BSOP-Regeln schreiben vor, dass mindestens 10% des Preispools ausgespielt werden müssen. Die Lösung: Sie teilten das Geld auf und spielten um den Rest plus Trophäe in einem einzigen Flip. Ladva gewann mit Four-Two offsuit gegen Jack-Ten, nachdem er ein Paar traf.
Schach trifft Poker
Die Frage, ob Schachfähigkeiten wirklich beim Poker helfen, wird in der Community kontrovers diskutiert. Laut einer Meta-Analyse der Universität Liverpool zeigen Schachspieler moderate Vorteile bei mathematischen und kognitiven Fähigkeiten. Ladva selbst sieht die Disziplin aus dem Schach als entscheidenden Vorteil – die Fähigkeit, auch nach 15 Stunden konzentriert zu bleiben.
Für den Este geht es direkt weiter: Beim $100,000 Super High Roller will er erneut antreten. Ob ihm nach dieser Marathonsession noch genug Energie bleibt? „I will be trying to get some rest“, waren seine letzten Worte nach dem Sieg. Viel Zeit zum Ausruhen wird er nicht haben.






