WSOP zieht Poker-Doku nach AI-Skandal zurück

Image Credit: WSOP via X

Die World Series of Poker musste ihre neue Dokumentation „NO LIMIT“ komplett von YouTube entfernen. Der Grund: Regisseur Dustin Ianotti hatte künstliche Intelligenz genutzt, um Spielern Worte in den Mund zu legen, die sie nie gesagt haben. Was als prestigeträchtiges Projekt zur WSOP Paradise gedacht war, wurde zum PR-Desaster.

High Stakes Poker-Profi deckt Manipulation auf

Cash Game-Spezialist Alan Keating brachte den Stein ins Rollen. In Episode 5 der Serie – mit dem Titel „Heroes and Villains“ – fiel ihm auf, dass er Aussagen getroffen haben soll, an die er sich nicht erinnern konnte. Besonders eine Passage, in der er Turnierspieler auffordert, sich „einen Job zu suchen“ und Turnierpoker als „Checkers“ bezeichnet, sorgte für Wirbel in der Community. Problem: Keating hat das nie gesagt.

Ianotti gab schnell zu, AI-Technologie verwendet zu haben, um Keatings Stimme zu klonen und etwa zehn Sekunden gefälschtes Material in die beiden letzten Episoden einzufügen. Seine Rechtfertigung? Die Aussagen basierten auf Themen, die Keating in früheren Interviews angesprochen hatte. Dass er weder Keating noch andere betroffene Spieler konsultierte, machte die Sache nicht besser.

WSOP zieht die Notbremse

Die Organisation reagierte prompt und löschte alle sechs veröffentlichten Episoden. In einem Statement auf X kündigte die WSOP an: „Wir haben die Videos entfernt und werden die Bearbeitung überarbeiten, um sicherzustellen, dass das Endprodukt unseren Standards entspricht.“ Die komplette achtteilige Serie soll neu geschnitten und später erneut veröffentlicht werden – wann, ist unklar.

Die Dokumentation hatte namhafte Spieler wie Daniel Negreanu, Phil Hellmuth und Scott Seiver beim $25.000 Super Main Event der WSOP Paradise 2024 auf den Bahamas begleitet. Über 700 Stunden Filmmaterial wurden für die Serie aufgenommen. Nach Richtlinien von Dokumentarfilmern ist Transparenz ein fundamentaler Baustein des Storytellings NBCU Academy – genau daran scheiterte Ianotti.

Ethikdebatte in der Poker-Community

Der Vorfall hat eine Grundsatzdiskussion ausgelöst. Auch Alex Keating (nicht verwandt mit Alan) meldete sich zu Wort und kritisierte die „gefälschte Stimme“ und manipulative Schnitte. Ianottis Verteidigung, solche Praktiken seien in Reality-Shows normal, kam in der Community gar nicht gut an.

Die WSOP steht nun vor der Aufgabe, das Vertrauen der Spieler und Fans zurückzugewinnen. Das Projekt sollte ursprünglich Poker einem breiteren Publikum näherbringen – stattdessen wird es wohl als Lehrstück darüber in Erinnerung bleiben, wie man es nicht macht.

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