Freitagnacht gegen Mitternacht stürmte die schwedische Spezialeinheit den Pokerclub Krukan auf Södermalm in Stockholm. Was folgte, war eine der größten Polizeioperationen gegen illegales Glücksspiel in der jüngeren Geschichte Schwedens. Rund 100 Spieler waren beim Low-Stakes-Turnier mit 100 Euro Buy-in anwesend, als schwer bewaffnete Beamte die Räumlichkeiten betraten. Unterstützt von Drohnen, einem Hubschrauber und Europol sicherte die Polizei gemeinsam mit der Spelinspektionen und der Kronofogdemyndigheten Beweise.
Spieler berichten von drastischem Vorgehen
Während die Polizei von einem kontrollierten Einsatz spricht, zeichnen Augenzeugen ein ganz anderes Bild. Der schwedische Pokerverband SvePof hat zahlreiche Aussagen von Betroffenen gesammelt. Spieler berichten von aggressivem Auftreten der Einsatzkräfte, automatischen Waffen, die direkt auf sie gerichtet wurden, und älteren Besuchern, die zu Boden gebracht wurden. Eine bekannte Persönlichkeit der schwedischen Pokerszene soll ein Foto mit blutigem Gesicht an SvePof geschickt haben. Die meisten Anwesenden wurden zwei bis drei Stunden festgehalten, durchsucht und befragt, bevor sie als mögliche Zeugen entlassen wurden.
Drei Festnahmen und Geldwäsche-Vorwürfe
Drei Männer im Alter von 30 bis 40 Jahren wurden von den Behörden an anderen Orten festgenommen. Ihnen wird vorgeworfen, schwere illegale Glücksspielveranstaltungen organisiert und Geldwäsche betrieben zu haben. Den Ermittlungen zufolge haben die Beschuldigten monatlich etwa 10 Millionen Kronen über Bargeld, Banküberweisungen und Kryptowährungen bewegt – seit Januar 2024 summiert sich das auf insgesamt 230 Millionen Kronen. Die Polizei sicherte erhebliche Vermögenswerte, doch Details dazu werden zurückgehalten. Seit Jahren ist Krukan als beliebter Treffpunkt der schwedischen Pokercommunity bekannt und war bereits 2020 Ziel einer Razzia, die Ermittlungen wegen Spielmanipulation im Fußball zur Folge hatte.
Schwedens strikte Haltung gegenüber Live-Poker
Die rigide Verfolgung hat ihren Ursprung in Schwedens derzeitiger Glücksspielpolitik. Alle landbasierten Casinos sind seit April 2025 geschlossen, und private Betreiber können keine Lizenzen für terrestrisches Glücksspiel mehr erhalten. Während Online-Poker legal ist, gibt es für Live-Poker keine Möglichkeit zur Lizenzierung mehr. SvePof übt scharfe Kritik an dieser Gesetzeslücke und verlangt, dass man Live-Pokerclubs mit realistischen Lizenzen aus der Illegalität holt. Die Sorge des Verbandes ist, dass die drastische Razzia viele Hobbyspieler abschrecken und Live-Poker weiter ins Verborgene drängen wird.






