Es gibt heute in Europa nur noch ganz wenige Länder, die an dem Modell des staatlichen Glücksspielmonopols festhalten. Österreich ist eines von ihnen genauso wie Norwegen. Dieses Modell ist heute jedoch alles andere als zeitgemäß. In einer Welt, in der die Spieler im Internet auf hunderte Online Casinowebseiten zugreifen können, kann der Staat einfach keine Monopolstellung mehr durchsetzen. Dabei ist es bei diesem Modell in der Theorie ziemlich einfach. Alle Anbieter außer dem oder den staatlichen sind illegal und dürfen ihr Unterhaltungsangebot den Spielern weder zugänglich machen noch dürfen diese es nutzen. Diese Theorie wurde jedoch längst von der Praxis eingeholt, weshalb immer mehr europäische Länder ihre Glücksspielmärkte öffneten und damit begannen, eigene Lizenzen auszugeben. Mit Finnland wird nun zum Jahresende ein weiteres Land sich vom Monopolmodell verabschieden und die Vorbereitungen sind nahezu gänzlich abgeschlossen.
Finnlands langer Weg aus dem staatlichen Monopol zu lizenzierten geöffneten Glücksspielmarkt
Mehr als 20 Jahre hat sich das finnische Glücksspielmonopol halten können. Etwa ab 2022 war die Ineffektivität jedoch nicht mehr zu übersehen. Die Kanalisierungsquote sank auf unter 50 % und der staatliche Glücksspielanbieter Veikkaus trug nur noch halb so viel zum finnischen Staatshaushalt bei wie noch fünf Jahre zuvor. Immer mehr Abgeordnete gaben zu, dass das Modell nicht mehr zu halten sei und dringend reformiert werden müsse. Eigentlich sind sich alle einig und alle Formalitäten zur Einführung eines neuen Gesetzes zur Neuordnung des finnischen Glücksspielmarktes sind längst abgeschlossen. Wann genau es so weit sein wird, ist jedoch noch nicht bekannt.
Eines ist jedoch sicher, es ist lediglich eine Frage der Zeit. Private sowie der staatliche Anbieter Veikkaus haben ihre Planungen bereits weitestgehend abgeschlossen und befinden sich in den Startlöchern. Für die Privaten geht es im Falle Finnlands weniger um große Geschäfte, denn der finnische Markt ist eher klein. Nein, für sie geht es um die Symbolik, eine der letzten Bastionen und obendrein auch noch in einem nordischen Land niederzureißen. Es fehlt lediglich noch der Abschlussbericht zum neuen Gesetz und dieser soll bis spätestens Mitte Dezember allen Abgeordneten vorliegen. Anschließend muss das Gesetz nur noch zwei Plenarsitzungen durchlaufen und von beiden Kammern verabschiedet werden.
Geplant ist, das Gesetz zum 01. Januar 2026 in Kraft treten zu lassen und den finnischen Glücksspielmarkt zum 01. Januar 2027 zu öffnen. Alternativ dazu wird jedoch bereits eine leichte Verschiebung auf den Sommer 2027 diskutiert. Den aktuellen Stand der Dinge können finnische Bürger auf der Webseite des Parlaments(Link in Finnisch) nachverfolgen.
Glücksspielanbieter sind bereits auf die Marktöffnung vorbereitet, aber ist es auch der Staat?
Es gibt jedoch etwas, das der ganzen Planung einen Knüppel zwischen die Beine werfen könnte. Damit es losgehen kann, benötigt der Staat eine Aufsichtsbehörde, die Lizenzen vergibt und die Glücksspielanbieter reguliert. Während in Deutschland etwa mit der GGL eine solche Behörde relativ schnell aus dem Boden gestampft wurde, ist dies in Finnland leider ganz und gar nicht der Fall. Es fehlt an allem und am dringlichsten an Personal. Aufgrund des Monopols gäbe es schlicht und einfach in Finnland niemanden, der mit Glücksspielregulierung Erfahrungen hat so der CCO von Hippos ATG, Antti Koivula. Den Anfang soll daher das nationale Polizeikomitee Finnlands machen und ab nächstem Jahr die Lizenzierungs- und Regulierungsaufgaben übernehmen.






