New Jersey macht Ernst im Kampf gegen Spielsucht bei Studenten. Ab sofort müssen alle staatlichen Colleges und Universitäten mindestens einmal pro Semester den Council on Compulsive Gambling of New Jersey auf den Campus einladen. Die Organisation soll Studierende über die Risiken des Glücksspiels aufklären.
Gouverneur Phil Murphy unterzeichnete am Freitag das entsprechende Gesetz kurz vor seinem Ausscheiden aus dem Amt. „Diese Unterzeichnung zeigt unser Engagement für verantwortungsvolles Spielen und das Wohlergehen der Studierenden“, erklärte Murphy. Die Hochschulen müssen die Präsenz der gemeinnützigen Organisation „einladen und ermöglichen“, die auch die Hotline 1-800-GAMBLER betreibt.
Studenten als Hochrisikogruppe
Die Zahlen sind alarmierend. Rund 60 Prozent der 18- bis 22-Jährigen haben laut einer NCAA-Umfrage bereits auf Sport gewettet. Etwa 6 Prozent der College-Studenten haben ein Glücksspielproblem – doppelt so viel wie die durchschnittliche US-Bevölkerung. Eine Meta-Analyse der University of Buffalo kommt sogar zu dem Schluss, dass jeder zehnte Student pathologisch spielsüchtig ist.
New Jersey trägt eine besondere Verantwortung für diese Entwicklung. Der Bundesstaat erkämpfte 2018 vor dem Supreme Court das Recht der Staaten, Sportwetten zu legalisieren. Was folgte, war eine aggressive Marketing-Offensive der Wettanbieter. Finanzguru Dave Ramsey bezeichnete Online-Sportwetten kürzlich als die am schnellsten wachsende Sucht, die „junge Männer zerstört“.
Die perfekte Risikomischung
Experten der University of Buffalo identifizieren fünf Faktoren, die Studenten besonders anfällig machen: Verfügbarkeit, Akzeptanz, Werbung, Zugang und Alter. Sportwetten sind in Sekunden per Smartphone möglich. Die sozialen Medien sind voll mit Glücksspiel-Ads – auf TikTok, wo fast die Hälfte der 135 Millionen US-Nutzer unter 30 sind, besonders stark.
Das Problem bleibt oft unsichtbar. Anders als bei Drogen- oder Alkoholsucht gibt es keine offensichtlichen körperlichen Anzeichen. Freunde und Familie bemerken die Spielsucht oft erst, wenn der finanzielle Ruin bereits eingetreten ist. Erschreckend: 21 Prozent der Studenten verwenden laut Umfragen Studienbeihilfen oder Studienkredite zum Wetten.
Murphy lässt Casino-Arbeiter hängen
Bei einem anderen Thema zeigte Murphy weniger Rückgrat. Eine Graswurzelbewegung von Casino-Mitarbeitern forderte ihn auf, sich für ein Rauchverbot in Atlantic Citys Casinos einzusetzen. Murphy, der die Initiative ursprünglich unterstützte, knickte nach Lobby-Druck ein. Die Casino-Betreiber warnten vor Umsatzeinbußen und Tausenden Jobverlusten.






