Wo einst Schweizer Lokomotiven für den Export in die ganze Welt vorbereitet wurden, blinken jetzt Spielautomaten und drehen sich Roulette-Räder. Swiss Casinos hat in der denkmalgeschützten Halle Rapide in Winterthur für 20 Millionen Franken das nach eigenen Angaben modernste Casino Europas eröffnet. Der Clou: Die historische Industriearchitektur bleibt vollständig erhalten, ein 15 Tonnen schwerer Kronleuchter hängt am Original-Lokomotivkran.
Vom Industriedenkmal zur Gaming-Location
Die Bauzeit war ambitioniert. Erst Ende 2023 kam die Baugenehmigung, im Januar 2024 starteten die Arbeiten. Nur elf Monate später, Mitte Dezember, wurde eröffnet. Auf 2.600 Quadratmetern verteilt auf zwei Stockwerke stehen über 200 Spielautomaten, dazu klassische Tischspiele wie Roulette, Blackjack und Poker. Drei Bars, darunter die öffentlich zugängliche Lokbar, lockern das Spielangebot auf. Das Besondere: Dank der Denkmalsauflagen verfügt das Casino über Tageslicht, eine absolute Seltenheit in der Branche.
Casino-Direktor Daniel Kullmann verfolgt eine klare Strategie. Keine strengen Kleidervorschriften, keine elitäre Atmosphäre. Mit 160.000 bis 180.000 erwarteten Besuchern pro Jahr soll die breite Masse angesprochen werden. Das Konzept kommt mit modernster Technik daher: Self-Check-in-Terminals wie am Flughafen ersetzen den klassischen Empfang, beim Self-Cashout tauschen Maschinen gewonnene Chips in Bargeld.
Spielerschutz im Fokus
Die Stiftung Sucht Schweiz lobt das automatisierte System, weil es die Kontrolle erleichtert. Kullmann gibt sich beim Thema Gewinnchancen überraschend ehrlich: Die Automaten sind auf eine Auszahlungsquote von 94 Prozent programmiert. Übersetzt heißt das: Bei 100 Franken Einsatz bleiben im Schnitt 6 Franken beim Haus. Die Formel des Direktors: Je häufiger gespielt wird, desto häufiger verliert man.
Beim Spielerschutz will Winterthur keine Kompromisse machen. Häufige Besucher werden aktiv angesprochen, bei Verdacht auf Spielsucht werden Bankunterlagen und Lohnausweise verlangt. Wer gesperrt wird, erhält schweizweit Spielverbot. 2024 wurden über 18.000 Personen von Schweizer Spielbanken ausgeschlossen. Rund 40 Prozent des Bruttospielertrags fließen in die AHV, bei geschätzten 30 Millionen Jahresumsatz also etwa 12 Millionen Franken.
Das Casino ersetzt den defizitären Standort Schaffhausen, der über Jahre 11 Millionen Franken Verlust angehäuft hatte. Fast alle 70 Mitarbeiter wurden nach Winterthur übernommen. Die Konzession läuft bis 2044.






