Zum bundesweiten Aktionstag gegen Glücksspielsucht am 24. September hat das Land Baden-Württemberg klare Signale gesetzt. Das Sozialministerium kündigte an, die Maßnahmen zur Prävention deutlich ausbauen zu wollen. Ein zentraler Bestandteil: die geplante Einrichtung einer neuen Fachstelle für Glücksspielsucht.
Diese soll künftig landesweit koordinierend tätig sein und als Bindeglied zwischen Suchthilfe, Forschung und Politik agieren. Ziel ist es, die Hilfe für Betroffene und Angehörige zu verbessern, Wissenslücken zu schließen und Präventionsarbeit gezielter aufzustellen.
Neue Strukturen für gewachsene Anforderungen
Mit dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 wurde der legale Rahmen für Online-Glücksspiel deutlich erweitert – verbunden mit strengeren Auflagen für Spielerschutz, Monitoring und Prävention. Die Folge: Auch die Anforderungen an Beratungsstellen und Präventionsangebote steigen.
Die geplante Fachstelle soll genau hier ansetzen. Sie wird bei der Landesstelle für Suchtfragen der Liga der freien Wohlfahrtspflege angesiedelt sein und dort zentrale Aufgaben übernehmen. Neben fachlicher Beratung und Fortbildung sind auch Öffentlichkeitsarbeit, die Aufbereitung wissenschaftlicher Erkenntnisse und die Entwicklung von Leitlinien vorgesehen.
Klare Ziele: Vernetzung, Transparenz und Aufklärung
Das Land will nicht nur reagieren, sondern proaktiv handeln. Die neue Fachstelle soll bestehende Angebote besser vernetzen und gleichzeitig neue Impulse setzen – etwa durch digitale Informationsformate oder zielgruppengerechte Präventionskampagnen.
Gerade in Zeiten zunehmender Online-Angebote sei es entscheidend, auch jüngere Zielgruppen dort abzuholen, wo sie sich aufhalten – im Netz. Schulprojekte, Elterninformationen und Online-Selbsttests gehören daher zu den Instrumenten, die künftig verstärkt zum Einsatz kommen sollen.
Landesweite Unterstützung für Beratungsstellen
Bereits jetzt fördert Baden-Württemberg flächendeckend Suchtberatungsstellen in Stadt- und Landkreisen. Zum Aktionstag wurden Informationsmaterialien bereitgestellt und öffentliche Veranstaltungen unterstützt, um die Reichweite zu erhöhen.
Auch Selbsthilfegruppen, kommunale Präventionsstellen und psychosoziale Dienste erhalten finanzielle Mittel. Die Fachstelle soll diese Unterstützung künftig zentral begleiten und evaluieren, um die Wirksamkeit der Maßnahmen besser zu erfassen.
Glücksspielanbieter ebenfalls gefordert
Zwar richtet sich die neue Fachstelle primär an öffentliche und soziale Akteure – doch auch Anbieter von Glücksspiel stehen zunehmend in der Verantwortung. Maßnahmen wie freiwillige Einzahlungslimits, transparente Spielmechanismen oder leicht zugängliche Sperroptionen können entscheidend dazu beitragen, problematisches Verhalten frühzeitig zu erkennen.
Ein nachhaltiger Spielerschutz funktioniert nur im Zusammenspiel – das betont auch das Sozialministerium. Die Fachstelle kann dabei als fachlicher Ansprechpartner fungieren, um wissenschaftlich fundierte Standards zu etablieren.
Noch offen: Zeitplan und Ressourcen
Wann genau die Fachstelle ihre Arbeit aufnimmt, ist derzeit noch nicht bekannt. Auch zur personellen und finanziellen Ausstattung liegen bislang keine Details vor. Klar ist jedoch: Der politische Wille zur Umsetzung ist vorhanden, und die gesetzlichen Grundlagen sind bereits geschaffen.
Mit dem Vorhaben nimmt Baden-Württemberg bundesweit eine Vorreiterrolle ein. Die angekündigte Fachstelle ist mehr als nur ein Symbol – sie kann zu einem wichtigen Baustein für wirksamen Spielerschutz im digitalen Zeitalter werden.






