Immer häufiger stoßen Fahnder auf Ungereimtheiten im US-Sport. Da waren etwa Dopinganschuldigungen im Baseball, illegal weitergegebenes Insiderwissen mit dem Zweck der Wettmanipulation im Basketball und nun ist es abermals die Major League Baseball (MLB), die für einen neuen Skandal sorgt. Wie amerikanische Medien am vergangenen Sonntag übereinstimmend berichteten, wurden zwei Pitcher der Cleveland Guardians aufgrund von Vorwürfen der Spielmanipulation angeklagt. Im Mittelpunkt stehen wie so häufig Sportwetten und die Anklageschrift macht selbst erfahrene Ermittler sprachlos. Die Beweislast scheint erdrückend, weshalb einer der beiden umgehend einem Haftrichter vorgeführt wurde. Es geht um Beträge in sechsstelliger Höhe und das überaus dreiste Vorgehen der beiden Pitcher sorgt nun sogar dafür, dass die Sportwettenregularien in den USA geändert werden.
Cleveland Guardians Pitcher manipulierten ihre Pitches absichtlich
Im Mittelpunkt des Skandals stehen die beiden Guardians Pitcher Luis Ortiz (26) sowie Emmanuel Clase (27). Ihnen wird vorgeworfen, ihre Pitches (Würfe im Baseball Anm. d. Red.) absichtlich nach einem abgesprochenen Schema manipuliert zu haben. Mal wurde etwa ein Wurf absichtlich verlangsamt, anstelle einen schnellen Ball für einen Strikeversuch zu werfen. Beide wurden bereits im Juli von der MLB gesperrt. Ligainterne Ermittler wurden nämlich bereits darauf aufmerksam, dass die Wettaktivitäten massiv zunahmen, wenn einer der beiden seine Position auf dem Spielfeld einnahm. Laut Anklageschrift (Link auf Englisch) begann alles bereits im Jahr 2023. Zu diesem Zeitpunkt soll Clase seine erste Übereinkunft mit zwei Komplizen getroffen haben.
Diese sah vor, dass Clase die Bälle in bestimmter Reihenfolge warf – etwa schnell, dann langsam, dann ins Aus usw. Die beiden Komplizen platzierten jeweils ihre Wetten nach dem gleichen Schema und beide gewannen an jenem Tag beim Spiel der Cleveland Guardians gegen die New York Mets zusammen rund 27.000 US-Dollar. Schon einige Wochen später wurde alles beim Spiel Cleveland vs. Boston genauso wiederholt. Der Profit konnte dabei sogar auf 38.000 US-Dollar gesteigert werden. Bei jenem Spiel gegen die Red Sox konnten die FBI-Ermittler detailliert nachweisen, dass eine bestimmte Wette auf deine langsame Geschwindigkeit des Balles platziert wurde. Genauso kam es dann auch, denn der Wurf lag tatsächlich unter dem für die Wette wichtigen Limit von 94,95 Meilen pro Stunde.
Der leitende Staatsanwalt Joseph Nocella Jr. konnte zudem beweisen, dass Ortiz während der Spiele sein Smartphone nutzte, was klar gegen die MLB-Regeln verstößt. Beide Spieler verfügten über ein Netz von Hintermännern in der Dominikanischen Republik. Zu den Beweismitteln gehören nicht nur ausgetauschte Nachrichten zwischen Clase und Ortiz, sondern auch Überweisungen.
MLB ändert Wettvorgaben – Einer der beiden Tatverdächtigen noch auf der Flucht
Ortiz wurde am vergangenen Sonntag am Boston Logan International Airport von Fahndern des FBI festgenommen. Am nächsten Tag setzte ihn ein Haftrichter unter schweren Auflagen wie etwa dem Einzug seines Passes sowie einer Kaution von 500.000 US-Dollar wieder auf freien Fuß. Emmanuel Clase hält sich laut den FBI-Ermittlern momentan außerhalb der USA auf und konnte somit noch nicht festgenommen und befragt werden.
Die MLB sah sich angesichts der über zwei Jahre erfolgreich vorgenommenen Wettmanipulation dazu gezwungen, die Wettvorgaben zu ändern. Wetten auf einzelne Pitches haben ab sofort ein maximales Einsatzlimit von 200 US-Dollar. Außerdem dürfen diese Wetten nicht mehr im Zusammenhang mit einer Parlay-Wette angeboten werden.






