Am Dienstagmorgen, dem 18. November 2025, war die Online-Gaming-Welt praktisch lahmgelegt. Der Grund: Ein erheblicher Ausfall beim Internetinfrastruktur-Anbieter Cloudflare sorgte dafür, dass über drei Stunden lang zahlreiche Sweepstakes-Poker-Seiten und Krypto-Casinos komplett offline waren. Obwohl die großen Anbieter wie PokerStars und GGPoker weitgehend unberührt blieben, mussten kleinere Anbieter beobachten, wie ihnen die Spieler reihenweise wegbrachen. Der weltweit agierende Riese Bet365 ließ seine Nutzer über mehrere Stunden hinweg nur eine „You’re blocked“-Nachricht sehen. Während Infoseiten wie Hendon Mob, Card Player und PokerNews problemlos liefen, hatten die Sweepstakes-Anbieter einen Totalausfall zu kämpfen. Noch Stunden nach der eigentlichen Störung präsentierte selbst der Global Poker Index „Internal Server Error“-Meldungen.
Drei Stunden Stillstand – und die Konsequenzen
Um 11:20 UTC begann der Ausfall, der etwa 20 Prozent aller Websites weltweit betraf. Betroffen waren neben Gaming-Plattformen auch X (früher Twitter), ChatGPT, Spotify und zahlreiche weitere Dienste. Ein Fehler im Bot-Management-System von Cloudflare war der Grund dafür. Im Zuge einer Routinekonfiguration verdoppelte sich unerwartet die Größe einer kritischen Feature-Datei, was Überlastungen im gesamten Netzwerk zur Folge hatte. Es ist ziemlich ironisch, wenn man bedenkt, dass Cloudflare eigentlich DDoS-Schutz bietet – also Websites vor genau solchen Überlastungs-Szenarien schützen sollte.
Cloudflare’s CTO Dane Knecht musste später öffentlich um Entschuldigung bitten: „Wir haben heute unsere Kunden und das Internet im Allgemeinen im Stich gelassen.“ Es ist anzunehmen, dass die wirtschaftlichen Schäden enorm sein werden. Die Verluste werden von Experten auf 5 bis 15 Milliarden Dollar pro Stunde beziffert – in Deutschland sollen allein Millionenschäden im E-Commerce entstanden sein. Für Online-Casinos bedeutet das nicht nur die entgangenen Umsätze während der Ausfallzeit, sondern vor allem einen erheblichen Vertrauensverlust bei den Spielern.
Das Problem mit der Abhängigkeit
Ein grundsätzliches Problem der gesamten Online-Gaming-Branche wird durch den Vorfall deutlich: Die Abhängigkeit von einigen wenigen großen Infrastruktur-Anbietern wird immer mehr zum Risiko. Der Ausfall von Cloudflare war schon der dritte große Internet-Zusammenbruch innerhalb von nur vier Wochen. Im Oktober hatten Amazon Web Services und Microsoft Azure bereits ähnliche Chaos-Szenarien verursacht. Obwohl die Eidgenössische Spielbankenkommission Schweizer Online-Casinos streng reguliert, sind selbst diese Behörden gegen Infrastruktur-Ausfälle machtlos.
Fachleute wie Benjamin Schilz, der als CEO der Kommunikationsplattform Wire agiert, geben zu bedenken: „Wenn ein zentraler Netzdienst wie Cloudflare – der vor Millionen von Websites operiert – ausfällt, sind Kommunikation, Transaktionen und ganze digitale Dienste innerhalb von Minuten betroffen.“ Die Antwort darauf? Streuung. Es ist ratsam, dass Anbieter Backup-Systeme bei verschiedenen Providern einrichten, anstatt alles auf eine Karte zu setzen. Obwohl es teurer ist, könnte es im Ernstfall den Unterschied zwischen einem kompletten Stillstand und einem weiterlaufenden Betrieb ausmachen. Die Gaming-Branche sollte aus diesem Vorfall hoffentlich lernen – bevor der nächste Ausfall passiert.






