Die EU-Kommission zieht in Sachen Jugendschutz neuerdings deutlich an. Und zwar nicht nur mit Parolen und leeren Worten, sondern mit saftigen Strafen. Am Freitag forderte EU-Kommissionsvizepräsidentin Henna Virkkunen Google, YouTube, Snapchat und Co., ihre Sicherheitsvorkehrungen zum Schutz von Kindern offenzulegen. Grundlage ist der Digital Services Act (DSA), der seit Februar 2024 EU-weit gilt. Noch gibt es kein formelles Verfahren, aber bereits jetzt ist klar – Brüssel macht ernst.
Casino-Apps im Fokus der Ermittlungen
Doch nicht nur Social Media Konzerne müssen sich warm anziehen. Besonders Casino Betreiber und Tools zur Erstellung sexualisierter Inhalte, sogenannte „Nudify Apps“ werden genauer unter die Lupe genommen. Laut EU-Kommission ist die Altersprüfung in den meisten Apps viel zu lasch. Selbst bei Apps, die konkrete Ausweisdaten und Co. benötigen, wird kein Post-Ident Verfahren eingesetzt. Die Folge? Für Minderjährige reicht es, den Ausweis der Eltern abzufotografieren und schon können sie sich für Online Casinos oder Nudify Apps anmelden und verifizieren.
Bereits 2021 gab es diesbezüglich Bedenken seitens der Behörden, als Google Bestimmungen lockerte und Glücksspiel-Apps im Play Store zuließ – angeblich mit strengen Altersprüfungen. Die EU interessiert sich nun, ob diese Kontrollen auch wirklich funktionieren. Laut der Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz ist der Schutz Minderjähriger im digitalen Raum eine zentrale Herausforderung, bei der technische Lösungen oft an ihre Grenzen stoßen.
Algorithmen, Suchtpotenzial und schwache ID-Checks
Bei YouTube untersucht die Kommission, ob die Algorithmen Kinder süchtig machen können und ob Altersbeschränkungen zu leicht umgangen werden. Für Snapchat steht der Vorwurf im Raum, dass Minderjährige über die Plattform an Drogen und Vapes gelangen – und dass Kinder unter 13 Jahren die App nutzen, obwohl dies die eigenen AGBs verbieten.
Die Tech-Konzerne haben jetzt die Chance, ihre Schutzmaßnahmen zu erklären und zu verbessern. Erst wenn die EU-Kommission ihre Verdachtsmomente bestätigt sieht, könnte sie ein förmliches Verfahren eröffnen. Gegen Meta läuft ein solches bereits seit 2024, auch TikTok steht unter Beobachtung.
Was bedeutet das für die Glücksspielbranche?
Für die gesamte Glücksspielbranche ist die Forderung der EU-Kommissionsvizepräsidentin ein Fiasko. Seit längerer Zeit wurde zumindest inoffiziell Kapital daraus geschlagen, dass Altersverifikationen nicht zu streng durchgesetzt wurden. Die neuen EU-Leitlinien schieben dem Ganzen einen klaren Riegel vor. Die Zeiten, in denen die Umgehung solcher Beschränkungen daraus bestand, einfach ein paar Järchen vom Geburtsjahr abzuziehen sind höchstwahrscheinlich demnächst vorbei – für viele ein längst überfälliger Schritt.
Und die Resonanz ist alles andere als ungewiss: 25 von 27 EU-Staaten unterstützen bereits die Pläne von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, eine EU-weite digitale Volljährigkeit zu prüfen. Ein digitaler Alterscheck, ähnlich den Prototypen, die mehrere Mitgliedstaaten derzeit testen, könnte künftig Standard werden – auch beim Zugang zu Glücksspiel-Apps.






