In Spanien schlagen Experten Alarm: Immer mehr Jugendliche setzen Geld beim Glücksspiel, obwohl viele von ihnen nie über mögliche Risiken aufgeklärt wurden. Laut aktuellen Regierungsdaten haben knapp 20 % der 14- bis 18-Jährigen bereits Erfahrungen mit Wetten, Spielautomaten oder anderen Formen des Glücksspiels gesammelt – ein bedenklich hoher Wert, der erneut die Diskussion um Prävention und Regulierung entfacht.
Besonders auffällig: Der Einstieg erfolgt früh. Im Schnitt beginnt der Erstkontakt mit Glücksspiel bereits im Alter von 13,9 Jahren – lange bevor überhaupt Volljährigkeit erreicht wird. Dabei greifen Jugendliche häufiger zu Offline-Angeboten als zu digitalen Plattformen. Sportwetten-Shops, Spielhallen und lokale Automaten bleiben nach wie vor Einstiegsorte für Minderjährige.
Aufklärung hinkt hinter anderen Themen hinterher
Ein zentrales Problem ist die mangelhafte Informationslage. Nur 48,4 % der befragten Jugendlichen gaben an, je über die Risiken von Glücksspielen aufgeklärt worden zu sein. Im Vergleich: Bei legalen Drogen wie Alkohol und Tabak liegt der Aufklärungsgrad bei über 70 %, bei digitalen Risiken wie Internetsucht oder Datenschutz sogar noch höher.
Dabei zeigen sich geschlechterspezifische Unterschiede: Jungen sind deutlich häufiger aktive Spieler als Mädchen (26,9 % vs. 12,6 %). Ein möglicher Grund könnte in der gezielten Ansprache männlicher Zielgruppen durch Werbung und Sportwetten liegen – ein Bereich, der in Spanien seit dem Königlichen Dekret 958/2020 strenger reguliert wird.
Von Gelegenheitsspiel bis Risiko: Die Bandbreite ist groß
Ein Großteil der Jugendlichen beschreibt ihr Spielverhalten als gelegentlich mit kleinen Einsätzen. Dennoch stuft das Sozialministerium 26 % der jugendlichen Glücksspieler als potenziell gefährdet ein. Das bedeutet nicht automatisch eine Sucht, wohl aber ein auffälliges Verhalten, das später problematisch werden könnte – besonders, wenn familiäre, schulische oder soziale Probleme hinzukommen.
Inzwischen gibt es erste Hinweise, dass sich problematisches Spielverhalten auch mit anderen riskanten Mustern überschneidet – etwa mit exzessiver Internetnutzung, dem Konsum von Substanzen oder Impulskäufen. Die psychologischen und sozialen Zusammenhänge sind komplex und bislang nicht vollständig erforscht.
Prävention statt Reaktion – was jetzt nötig ist
Experten fordern eine intensivere Aufklärungsarbeit an Schulen und in Familien. Schon ab der Unterstufe müsse Glücksspiel als Thema behandelt werden, ähnlich wie Drogen oder digitale Gefahren. Ziel ist es, Jugendlichen frühzeitig ein realistisches Verständnis für die Risiken zu vermitteln – bevor es zu einem problematischen Verhalten kommt.
Zugleich wird diskutiert, ob technische Schutzmaßnahmen verschärft werden sollten – etwa Altersverifikation im stationären Bereich oder der Einsatz von KI zur Verhaltensüberwachung in Onlineplattformen. Denn gerade im digitalen Raum ist der Zugang für Minderjährige trotz gesetzlicher Verbote nach wie vor möglich.
Wer sich mit Glücksspielangeboten beschäftigt – ob als Anbieter, Spieler oder Beobachter – sollte sich der Verantwortung bewusst sein. Auch Plattformen, die neue Spielformen anbieten, müssen ihren Beitrag leisten. In einem stark wachsenden Markt mit wachsender Regulierung kann es sich kein Anbieter leisten, die jüngste Zielgruppe aus den Augen zu verlieren.






