Die Pheu-Thai-Partei in Thailand hat ihre Ambitionen in Bezug auf Casinos anscheinend endgültig aufgegeben. Die Partei verzichtet auf Entertainment-Komplexe mit Spielbanken und setzt stattdessen auf Wellness-Tourismus. Ein erstaunlicher Schwenk für ein Projekt, das man noch vor einem Jahr als Prestigevorhaben betrachtete.
In einem Interview mit Nikkei Asia gab der Premierminister-Kandidat Yodchanan Wongsawat bekannt, dass die Gebiete, die ursprünglich als Casino-Zonen vorgesehen waren, nun als Gesundheits- und Medizin-Hubs dienen sollen. Im Mittelpunkt stehen internationale Reisende, die nach Thailand kommen, um sich behandeln zu lassen oder Wellness-Programme zu nutzen.
Vom Musterprojekt zur leblosen Idee
Während der Amtszeit von Premierministerin Paetongtarn Shinawatra waren die Pläne für bis zu fünf große Entertainment-Komplexe mit Casinos vorgesehen. Mit dem Projekt sollten Milliarden von ausländischen Investitionen angezogen und zehntausende Arbeitsplätze geschaffen werden. Das thailändische Parlament kalkulierte, dass die Brutto-Gaming-Einnahmen bis zu 308 Billionen Baht jährlich betragen könnten – was Thailand zum drittgrößten Casino-Markt der Welt nach Macau und Las Vegas machen würde.
Die Entertainment Complex Bill wurde jedoch nie verabschiedet. Nach großen Protesten blockierte der Senat das Gesetz im Juli 2025. In Bangkok kamen 1.200 Demonstranten zusammen, während 300 Motorradfahrer zum Parlament fuhren, um gegen die Pläne zu protestieren. Religiöse Gemeinschaften und Bürgerinitiativen schlugen Alarm wegen Spielsucht, Kriminalität und sozialen Problemen.
Als Paetongtarn im August wegen ethischen Fehlverhaltens vom Verfassungsgericht abgesetzt wurde, verlor das Casino-Projekt seine wichtigste Unterstützerin. Die Bhumjaithai-Partei verließ die Regierungskoalition, unter anderem wegen der umstrittenen Casino-Pläne. Nach dieser Episode war das Thema schnell von der politischen Agenda verschwunden.
Pragmatischer Kurswechsel vor der Wahl
Die Pheu-Thai-Partei hat derzeit 141 Sitze im Repräsentantenhaus, benötigt aber mindestens 200, um eine stabile Regierung zu bilden. Es wäre politischer Selbstmord gewesen, vor den Wahlen einen Kampf um die Casino-Legalisierung zu führen.
Der Wechsel zum Wellness-Tourismus ist deutlich weniger konfliktbeladen. Thailand genießt schon einen tollen Ruf für kostengünstige medizinische Leistungen und Wellness-Angebote. Diese Stärke auszubauen, ist ein besserer Verkaufsschlager als Roulette-Tische und Spielautomaten.
Kapitalgeber ziehen sich zurück
Die großen Casino-Betreiber hatten schon Büros in Bangkok eröffnet. Die Galaxy Entertainment Group, Melco Resorts und MGM haben ihr Interesse bekundet. Die Hard Rock International hat Möglichkeiten in Phuket geprüft. Aber die politische Instabilität hat viele entmutigt. James Allen, Chef von Hard-Rock, äußerte kürzlich gegenüber iGB, dass seine Firma aufgrund der Instabilität „null Interesse“ an einem Projekt in Thailand habe.
Noch im Herbst 2025 warfen Analysten die Frage auf, ob das Gesetz 2026 wiederbelebt werden könnte – vorausgesetzt, Pheu Thai schafft es, die Koalition zu stabilisieren. Diese Hoffnung ist vorbei. Die Partei hat das Casino-Thema komplett fallengelassen und sich für den sicheren Weg entschieden.
Die Entscheidung, ob die Pläne irgendwann zurückkommen, liegt bei zukünftigen Regierungen. Aber momentan gilt: Detox-Kuren ersetzen die Blackjack-Tische.






