Poker-Bischof fliegt aus der Russisch-Orthodoxen Kirche

Foto von Lipetskaya Zemlya auf Unsplash

Metropolit Nestor hatte ein Doppelleben. Tagsüber Bischof der Russisch-Orthodoxen Kirche, verantwortlich für Gemeinden in ganz Westeuropa – abends am Pokertisch im Circus Club Paris. Jetzt ist Schluss: Patriarch Kyrill hat den hochrangigen Geistlichen gefeuert und ein kirchliches Verfahren eingeleitet. Der offizielle Grund: Glücksspiel mit Kirchengeldern. Die Wahrheit dürfte komplizierter sein.

47.000 Dollar Gewinn unter falschem Namen

Evgeny Sirotenko, so der weltliche Name des Bischofs, machte kein Geheimnis aus seiner Poker-Leidenschaft. Unter seinem echten Namen spielte er Turniere in Frankreich, den Niederlanden, Kambodscha und Tschechien. Die Hendon Mob Database zeigt: Allein 2025 cashte er zwölfmal, insgesamt erspielte er über 47.000 Dollar. Sein größter Erfolg: 7.664 Euro bei einem 500-Euro-Turnier im Circus Club Paris.

Das Problem: Das orthodoxe Kirchenrecht verbietet Geistlichen eindeutig das Glücksspiel. Laut dem orthodoxen Kanon ist es Klerikern nicht erlaubt, zu spielen oder auch nur Orte aufzusuchen, an denen Glücksspiel stattfindet. Sirotenko soll für seine Turnier-Reisen sogar Kirchengelder verwendet haben – ein Verstoß, der ihm jetzt das Priesteramt kosten könnte.

Poker als Vorwand für politische Säuberung?

Doch bei diesem Fall geht es um mehr als nur um verbotene Turniere. Sirotenko hatte sich 2022 zusammen mit einem spanischen Erzbischof offen gegen den russischen Angriffskrieg in der Ukraine positioniert. Er verteidigte einen Madrider Priester, der den Krieg als „satanisch“ bezeichnete, obwohl Patriarch Kyrill die Suspendierung gefordert hatte. Zudem traf sich Sirotenko mit einem ukrainischen Bischof, den Moskau als „Verräter“ einstuft.

Patriarch Kyrill ist ein langjähriger Verbündeter von Wladimir Putin und bezeichnet Russlands Gegner in der Ukraine als „Kräfte des Bösen“. Die Kirchenexpertin Ksenia Luchenko vermutet deshalb politische Motive: „Er hat die russische Welt nicht gefördert. Er hat sich nicht tief genug verbeugt“.

Gemeinde steht hinter ihrem Bischof

In Paris sammeln Gemeindemitglieder bereits Unterschriften zur Unterstützung ihres Bischofs. Sie beschreiben Sirotenko als nachdenklichen und mitfühlenden Seelsorger. Einige würden ihm sogar folgen, sollte er sich der autonomeren Kirche von Konstantinopel anschließen. Ob der „Poker-Bischof“ tatsächlich seine Karriere fortsetzt, bleibt offen. Sein größter Bluff ist gescheitert – aber vielleicht hat er ja noch ein Ass im Ärmel.

Published
Categorized as Poker
Editor

Nicole ist so etwas wie das Adlerauge der Redaktion. Neben ihrer langjährigen Erfahrung im Bereich Casino, Sportwetten und Co, hat sie vor allem den Redaktionsprozess auf ein neues Level gebracht. So detailgetreu wie nur irgend möglich optimiert, editiert und schreibt sie ihre Artikel. Perfektionistisch – und immer mit dem Blick für den Leser.