Das ging schnell: Nur zwei Monate nach der Legalisierung ist Poker in Thailand wieder komplett verboten. Premierminister Anutin Charnvirakul hat die im Juli 2025 erlassene Lockerung kassiert und stellt klar – sein Land will nichts mit Glücksspiel zu tun haben.
Vom Denksport zurück zum Tabu
Am Ende Juli hat die Regierung unter Phumtham Wechayachai offiziell beschlossen, dass Poker als Sport gilt und staatlich überwachte Turniere erlaubt sind. Die Grundannahme: Poker sollte man ähnlich wie Schach oder Bridge betrachten – als Geschicklichkeitsspiel und nicht als Glücksspiel. Um die Wirtschaft zu beleben und internationale Veranstaltungen ins Land zu bringen, hatte das Ministerium für Tourismus und Sport dieses Ziel im Blick.
Am 29. September gab die neue Regierung bereits bekannt, dass sie die Richtung ändern will. Das Pokerverbot ist mit der Ministerialverordnung Nr. 3179/2568 nun wieder in Kraft – sei es im Turniersaal oder in Hinterzimmern. Anutin erklärte den Schritt unmissverständlich: „Poker ist Glücksspiel, selbst wenn es als Sport vermarktet wird.“
Politisches Tauziehen um Milliarden-Markt
Das Casino Thema in Thailand ist schon seit langer Zeit hauptsächlich ein Strohmann für politische Machtkämpfe zwischen der Pheu Thai und Anutins Bhumjaithai-Partei. Dieses mal war der Auslöser, dass die Pheu Thai Partei offen über die Casino-Legalisierung diskutierte. Als im August die damalige Premierministerin Paetongtarn Shinawatra vom Verfassungsgericht abgesetzt wurde, war der Reformkurs Geschichte. Das Pokerverbot wurde zum Symbol dieser Anti-Glücksspiel-Linie.
Dabei wäre das Potenzial enorm. Thailand folgt seit 1935 einem strikten Glücksspielgesetz, das fast alles verbietet – nur staatliche Lotterien und Pferdewetten sind erlaubt. Trotzdem floriert der Schwarzmarkt mit geschätzten 30 Milliarden Dollar Jahresumsatz. Die Behörden führen regelmäßig Razzien durch, verhaften Spieler und Betreiber gleichermaßen.
Harte Strafen für Pokerspieler
Wer jetzt in Thailand beim Pokern erwischt wird, riskiert einiges. Spieler müssen mit bis zu einem Jahr Gefängnis rechnen, Veranstalter können drei Monate bis drei Jahre hinter Gittern landen. Die Polizei geht konsequent vor: In Bangkok, Pattaya und Phuket gab es kürzlich mehrere Großrazzien mit Dutzenden Festnahmen und beschlagnahmten Millionenbeträgen.
Das kurzzeitige Tauwetter hatte gerade erst begonnen, Früchte zu tragen. Im August fand mit der WPT Prime Thailand ein internationales Poker-Event in Bangkok statt, das Spieler aus aller Welt anzog. Diese Zeiten sind vorerst vorbei. Wer in Thailand spielen will, muss ins Ausland – etwa nach Kambodscha oder Malaysia, wo Casinos legal sind und boomen.
Die Message aus Bangkok ist klar: Moral vor Millionen. Ob das den illegalen Markt eindämmt, bleibt fraglich.






